geschichtliche Entwicklung
Als
mit der Einführung des Besatzungsstatuts nach dem Zweiten Weltkrieg die
Gemeinden des Rhein-Main-Dreiecks aus dem Verband der Stadt Mainz wieder
herausgelöst wurden, erhielt auch Bischofsheim seine Eigenschaft als
selbständige Kreisgemeinde zurück. Daran hat sich bis heute - nach der
Verwaltungsreform der siebziger Jahre - nichts mehr geändert.
Bischofsheim
ist einer der ganz alten Siedlungsplätze des Gerauer Landes. Auf seiner
Gemarkung wurden Bodenfunde gemacht, die eine Besiedlung schon um 2300 v. Chr.
vermuten lassen. Tierknochen weisen sogar noch weiter zurück. Scherbenreste der
Linearbandkeramik traten bei der heutigen evangelischen Kirche zutage, es fanden
sich Spuren der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur und Anzeichen keltischer und
germanischer Ansiedlungen- diese allerdings außerhalb des heutigen
Ortsbereichs. Römerfunde gab es in großer Zahl.
Die
eigentliche Ortsgründung erfolgte in fränkischer Zeit. So ist neuerdings eine
fränkische Martinskirche für Bischofsheim im 8. Jahrhundert nachgewiesen,
wohingegen eine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 880 - es handelt sich
dabei um die Übereignung eines Hofes an das Mainzer Domkapitel - unter
Umständen auch auf eine andere Siedlung gleichen Namens zutreffen
könnte.
Im
Spätmittelalter kam es zu einer Teilung des Dorfes, als die Brüder von
Hohenfels 1331 zugunsten des Grafen Rudolf von Wertheim und Gottfrieds des
Jüngeren von Eppstein auf die Ortsherrschaft verzichteten. Die Trennung dauerte
bis 1579, als Landgraf Georg l. von Hessen, dem schon der ehemals Eppsteinsche
Anteil gehörte, auch den Wertheimer Besitz, der inzwischen
mainzisch-hattsteinisch geworden war, käuflich dazuerwarb.
In
der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hielt die Reformation ihren Einzug.
Bischofsheim wurde nach dem Willen des Landgrafen evangelisch.
Die
Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts brachten viele fremde Söldnertruppen, die
das Dorf mehrfach verwüsteten und die Bevölkerung drangsalierten. Auch die
Franzosen zogen plündernd durch die Gegend, und 1813 fielen neben den
Österreichern sogar Kosaken in Bischofsheim ein.
Ungeachtet
des vielfachen Geschehens in der Territorialgeschichte bestanden durch alle
Jahrhunderte enge Beziehungen zwischen Bischofsheim und Mainz. Sowohl das
Mainzer Domstift als auch das St. Viktorstift waren hier in größerem Umfang
begütert. Beide hatten jeweils einen Wirtschaftshof in der Gemeinde errichtet,
und ihre Hofmänner sorgten dafür, dass "der Zehnte" pünktlich und
regelmäßig abgeführt wurde.
Ferner
weiß die Ortschronik zu berichten, dass 1612 Bischofsheims ältestes Gasthaus,
die "Krone" eröffnet und 1746 der Gemeindebackofen errichtet wurde,
der noch bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts bestand. Der alte
Ortsdamm, der zum Schutz gegen die Hochwasser von Rhein und Main erbaut worden
war, ist noch heute im wesentlichen erhalten. Er hatte früher nur drei kleine
Einlässe, die die Namen "Pforte", "Brücke" und "Tiegel"
trugen. An der "Pforte" stand ein Haus, in dem sich das Dorfgefängnis
befand. Auch Schießscharten waren eingelassen und zeugen dafür, dass man sich
verteidigen wollte. All diese Bauten, auch das alte Backhaus, die Dorfschmiede
und eine Reihe von Wohnhäusern fielen später dem Straßenbau zum Opfer,
während die "Brücke" an der Mainzer Straße durch Auseinanderrücken
der Steinquader an den beiden Seiten des Ortsdammes erweitert werden konnte.
Seinen
Aufschwung im 19. Jahrhundert verdankt Bischofsheim dem Bau der Hessischen
Ludwigs-Eisenbahn und der Entwicklung des Bischofsheimer Bahnhofs zu einem
wichtigen Verschiebebahnhof im Rhein-Main-Gebiet. Gleichwohl aber ist
Bischofsheim lediglich zu einer Arbeiterwohngemeinde herangewachsen, in der die
Landwirtschaft stark zurückging, die Industrie jedoch nur zögernd Fuß fasste.
Bis zum Ausbruch des letzten Weltkrieges hatten sich einige wenige
Mittelbetriebe angesiedelt. Erst durch die Erschließung des Industriegebietes
in der Nähe des Schindberges, kündete sich eine Wende an.
Zu
den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zählen nicht nur ausgedehnte neue
Wohngebiete, auch die Errichtung kommunaler Bauten und Einrichtungen machte
beachtliche Fortschritte. Die Gemeindeverwaltung schuf sich im einstigen
Schulhaus eine neue Unterkunft, weil das historische Bürgermeisteramt den
Anforderungen nicht mehr entsprach. Zu den bestehenden Schulen gesellten sich
zwei weitere, außerdem wurden eine repräsentative Sporthalle mit
angegliedertem Jugendheim und Sportstätten der verschiedensten Art erstellt.
Für die Abwasserbeseitigung ging Bischofsheim einen Verbund mit den übrigen
Gemeinden der Mainspitze ein. Schließlich lässt auch das Ortsbild, das
vielfach verschönert wurde und einige gewichtige Akzente erhielt, bereits
erkennen, dass Bischofsheim in seiner Entwicklung weiter vorangekommen ist und
seine Gemeindeverwaltung das Bestreben hat, ihren Bürgern das Leben in der
Gemeinde so angenehm und zeitgemäß wie nur möglich zu machen.
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